Auch wenn wir im Regenwald sind, ist Bahia eine tropische Gegend, wo eigentlich oft die Sonne scheint und die „eigentliche Regenzeit“ erst im April beginnen sollte. „Eigentlich“ – aber auf das Wetter ist kein Verlass mehr und so regnet es gerade ungewöhnlich viel und heftig auf unserer Fazenda Saúva. 

Regenbogen über den Fazenda –
Regen und Sonne haben durchaus auch ihren ganz besonderen Reiz;-)

Und wenn dann wieder ein „richtiger Tropenregen“ kommt, ist das vom Ablauf ungefähr so: Es fängt laut an zu prasseln auf dem Dach. Falls dann das viele Wasser seinen Weg durch die Dachziegeln findet, stellen wir langsam Töpfe und Gefäße unter die undichten Stellen. Mit etwas Pech fällt dann nach 20 Minuten der Strom aus. Dann kann man wiederum Glück im Unglück haben und es ist „Halbstrom“ (habe ich vorher auch noch nie gehört), d.h. der Strom ist schwach (nur 110V?), das Licht leuchtet noch leicht weiter und ein paar elektrische Geräte laufen noch (der Kühlschrank nicht, aber das Internet meist schon;-). 

Oft kommt es zur Zeit aber zu einem kompletten Stromausfall. Für unsere „deutschen Leser“, die ja gewohnt sind, dass so etwas höchstens ein paar Sekunden dauert, beschreibe ich die Konsequenzen mal etwas genauer.

Kein Licht mehr – da sieht man dann nachts im Regenwald kaum mehr die Hand vor Augen ohne elektrisches Licht. Und die Nacht ist hier nahe am Äquator sehr lange: 12 Stunden und die Sonne geht schon um 18:00 Uhr unter! Der Kühlschrank und die Gefriertruhe (mit den Vorräten) tauen so ganz langsam auf. Die Wasserpumpe, die unser Trinkwasser von einer Quelle im Tal in den Vorratstank auf dem Dach pumpt, funktioniert nicht mehr. Dadurch ist nach etwa ein bis zwei Tagen der Tank leer. Das schmutzige Geschirr stapelt sich, die Toilettenspülung geht nicht mehr, Wäsche kann nicht mehr gewaschen werden und das Trinkwasser (das wir hier aus der Leitung trinken können) wird knapp. 

Wenn ich persönlich dann den zweiten Tag ohne Strom erlebe, werde ich aber schon angespannt, fülle noch mal unsere Flaschen auf. Stelle fest, wie unruhig mich das macht, wenn ich vom Internet und damit von Nachrichten und Kontakt zur Heimat und zu Freunden abgehängt bin. Und die Tatsache, dass niemand weiß, wie lange die Situation so noch dauert, ist für mich doch eine recht heftige Selbsterfahrung mit meiner Komfort Zone. 
Da ich das Projekt v.a. unterstützen möchte mit Fotos und Videos, bin ich „still gestellt“ und habe nichts mehr zu arbeiten. Das kann ich kurze Zeit durchaus genießen, aber dann merke ich, wie wichtig mir persönlich doch eine sinnstiftende Arbeit ist, wie schwer es mir fällt, wenn ich nichts mehr tun kann.

Ich bewundere Bianca und Cebolinha bezüglich ihrer Nerven, mit denen sie das gelassen hinnehmen und das Beste aus der Situation machen. Abendessen im Kerzenlicht mit köstlichen Pfannkuchen vom Gaskocher. Sterne gucken mit den Kindern … . 

Wenn der Strom nach 12 Stunden noch nicht wieder da ist, muss jemand auf einen nahe gelegenen Berg laufen, wo es noch Handy-Empfang gibt und bei der Strom-Firma und der Bürgermeistern nachfragen bzw. Druck machen. Ich habe schon erlebt, wie Cebolinha zur Straße losgelaufen ist, um dort mit den Nachbarn zu warten und falls das Serviceauto vom Stromanbieter vorbei kommt, es nicht weiter zu lassen, bevor unsere Leitung repariert ist. Das kann schon mal sehr hitzig zugehen unter Androhung von Polizei etc. Bianca ist auch schon mit allen Kindern nach Nilo gefahren und hat einen Sitzstreik bei der Bürgermeisterin gemacht. 

Bis jetzt hatten sie immer Erfolg. Aber die Anspannung, wann bzw. ob der Strom (und damit Licht, Internet, Kühlschrank, Wasser …) zurück kommt, geht schon sehr tief.
Und uns wird wieder bewusst wie gut und einfach wir es doch in Deutschland haben. 

„Halbstrom“ & Co – Selbsterfahrung mit meiner Komfort Zone

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