Seit fast einer Woche dürfen wir hier auf der Fazenda und bei Biancas und Cebolinhas Familie mitleben. Und eines ist klar! Hier wird einem auf keinem Fall langweilig.

Während Cebolinha die ganze Zeit mit der Beschaffung von Materialien, der intensiven Arbeit in der Agrofloresta und dem 3maligen Training von Capoeira beschäftigt ist, kümmert sich Bianca hier um Haus, Hof, ihre 3 Kinder, Verwaltung, Verein und die Schule, die sie aufbauen. 

Montag und Dienstag morgen kommen einige Capoeira Kinder zum Praktikum und lernen die Anbauweise des Agrofloresta zuerst in der Theorie kennen, bevor es dann ans Pflanzen der Setzlinge geht, Pflanzen zurückgeschnitten werden, damit andere wieder mehr Licht bekommen können, Felder vermessen oder Pläne für Neuanpflanzungen ausgearbeitet werden. Das Grundprinzip des Agrofloresta ist der Überfluss. Immer ein bisschen mehr pflanzen, als benötigt wird. Die Pflanzen so setzen, dass die voneinander profitieren können. Wer braucht Sonne und schießt nach oben und wer benötigt Schatten und bleibt auf einer tieferen Ebene. Solange die Pflanzen noch nicht zu hoch sind, kann dazwischen Gemüse angepflanzt werden, das zu einem späteren Zeitpunkt dann umgepflanzt wird. Der Dünger wird natürlich über die abgeschnittenen Pflanzenreste auf den Boden gelegt. Dieses Prinzip, das schon die Indigos benutzten, wäre die natürlichste Anbaumethode die es gibt. Der Regenwald dient hier als Vorbild. Wie sind die Pflanzen auf natürliche Weise angeordnet und profitieren voneinander? 

Am Nachmittag findet dann dreimal in der Woche Capoeira statt. Eine Kampfkunst, die einen großen tänzerischen und akrobatischen Aspekt hat und aus der Sklavenzeit kommt, als es den Sklaven verboten war, miteinander zu kämpfen. Durch den angegebenen Rhythmus wissen die Kämpfer, ob Gefahr droht und sie in eine tänzerische Haltung gehen müssen. Den Capoeiras zuzuschauen ist phantastisch. Mit großer Geschwindigkeit und toller Körperbeherrschung, von den Muskeln ganz zu schweigen, spielen sie miteinander und trainieren ihre Kampfkunst. Doch dies ist nur eine Seite von Cebolinhas Arbeit als Maestre. Auch die Haltung und das Miteinander außerhalb des Capoeira und der Fazenda ist ihm sehr wichtig und so ist Capoeira eine Lebenshaltung, die das Positive im Menschen zeigt und so die guten Kräfte hervorbringt. Wer außerhalb des Capoeira mit negativem Verhalten auffällt und keine Bereitschaft zur Veränderung zeigt, kann nicht mehr kommen. Da den Jugendlichen dies aber wirklich so wichtig ist, dass sie zur Fazenda und dem Training mehrere Kilometer laufen und z.T. einen Fluss überqueren müssen, das Ganze dann in stockdunkler Nacht wieder zurück, zeigt, dass sie bereit sind, ihr Leben auf einen guten Weg zu bringen und dafür einiges auf sich nehmen. 

Bianca kümmert sich darum eine Schule für die Regenwaldkinder nach den Prinzipien Maria Montessoris aufzubauen. Viele der Kinder gehen nicht zu Schule, weil es zu weit ist oder die Eltern, die auch nicht in der Schule waren, keinen Sinn darin sehen. Hier im Ort gibt es zwar eine Schule, doch so wirklich etwas zu lernen, ist wohl eher schwierig. Außerdem ist immer unklar, ob ein Lehrer kommt oder nicht und der Weg – hier von der Fazenda 7 km durch unwegsames Gelände und schlammigen Straßen – ist oft nicht möglich. Dadurch können viele der Kinder weder lesen, noch schreiben noch rechnen. Dazu kommt, dass auch hier in Brasilien seit Anfang Corona, also seit 2 Jahren, kein Unterricht stattfindet, weil die Schulen geschlossen sind. Nächste Woche wollen wir beide uns mal den Leistungsstand der Kinder und Jugendlichen, die zu Capoeira kommen, am Vormittag anschauen und überlegen, wie wir sie in ihrem Lernen unterstützen können und welches Material wir dafür vielleicht noch herstellen können. 

Zu dieser ganzen Arbeit ist das Leben hier immer wieder eine Herausforderung. Gerade haben wir mal wieder keinen Strom, d.h. nach 18.30 Uhr ist es hier wirklich stockdunkel. Leider geht dann auch irgendwann das Wasser aus, weil auch die Wasserpumpe nicht funktioniert, der Kühlschrank und die Gefriertruhe tauen sich ab und die Lebensmittel gehen kaputt. Das passiert wohl regelmäßig und stellt alle immer wieder vor große Herausforderungen. 

Das Leben hier in „Stille“ – die Regewaldgeräusche sind großartig – und Frieden hat allerdings auch einen unermesslichen Wert. Inmitten der Natur, mit dem Ziel autark zu Leben und Bildung in diese wunderschöne Region zu bringen, ist einfach großartig und wir freuen uns, dass wir Bianca und Cebolinha ein bisschen dabei unterstützen dürfen. 

Im Regenwald – Leben auf der Fazenda Saúva

Beitragsnavigation


Ein Gedanke zu „Im Regenwald – Leben auf der Fazenda Saúva

  1. Wie schön!!! tolle Eindrücke, die noch mehr vermitteln, welch besonderer Ort die FAZENDA SAUVA für euch und alle sind 😉
    Und so wertvoll, dass ihr vor Ort seid!
    LG, ich bin in Gedanken bei euch
    Elke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.