Während das Durchschnittsalter in Deutschland bei ca. 45 Jahren liegt, liegt es in Uganda bei 14 Jahren. 50% der Menschen in Uganda sind unter 14. Jahren. Ist das vorstellbar?

Wenn wir durch Kampala fahren, sehen wir sehr viele Erwachsene auf den Straßen. Also wo sind die Kinder? Wir fanden sie immer dann, wenn wir auf’s Land gingen. Bei den Sosolyas und bei „we care for them“ erlebten wir Kinder, die ein Familienleben erfuhren und die Menschen um sich hatten, denen bewusst war, wie wichtig Bildung ist. Die erfahren dürfen, dass sie wichtig sind und dass sich jemand kümmert. Dass sie in die Schule gehen, etwas zu essen haben und ihre Persönlichkeit gestärkt wird. Das sind die Kinder, die unendlich viel Glück in ihrem Leben erfahren und deren Persönlichkeiten und Ausstrahlung schon in jungem Alter sichtbar wird.

Durch Mark durften wir aber auch in die reale Welt Ungandas eintauchen. Wir fuhren in ein Dorf im Norden, wo uns plötzlich unzählige Kinder entgegenstürmten, als wir aus unserem Bus ausstiegen. Die Sosolyas waren da, um die traditionellen Tänze von ihnen zu lernen und nach begabten Tänzerinnen Ausschau zu halten, die mit den Sosolyas leben wollen. Das klingt für uns erst einmal seltsam, doch der Hintergrund davon ist, Kindern Bildung und Gemeinschaft zu geben und von ihnen zu lernen. Wenn sie als Erwachsene dann in ihre Dörfer zurückkehren, können sie ihre Skills und ihr Wissen wieder an ihre ursprüngliche Gemeinschaft wiedergeben.

In diesem Dorf allerdings waren kaum Erwachsene zu sehen. Als ich Mark danach fragte, bekam ich zu Antwort: „Da sind keine!“ Kann das sein? Oft waren die Eltern verstorben und wenn die Kinder Glück hatten, gab es noch eine alte Oma, die auf die Kleinen aufpasste. Das Familienoberhaupt war allerdings das älteste Kind. Es hatte dafür zu sorgen, dass die Geschwister zu essen bekommen. Wenn er Glück hatte, hatte er ein Motoradtaxi und konnte etwas Fisch verkaufen, um an Geld zu kommen. Wenn nicht – dann gab es keine Möglichkeit Essen zu bekommen. Für uns war das eine wirklich krasse Erfahrung, aber das ist leider die Realität hier. 

Wenn ich mich umschaue, dann sehe ich immer wieder Kinder am Straßenrand sitzen, die Früchte verkaufen. Das älteste Kind ist dabei ca. 6 Jahre und hat noch 2 kleinere Geschwister dabei. In Deutschland wäre keines dieser Kinder in diesem Alter unbeaufsichtigt. Sind wir zu vorsichtig, ängstlich und überbehütend? Hindern wir unsere Kinder am Machen von Erfahrungen und am selbständig werden?

Gerade habe ich gegenüber mehrere kleine Kinder beobachtet. Ich schätze, dass sie alle unter 6 waren. Eines von ihnen ca. 4 Jahre hatte ein kleines Geschwisterchen mit ungefähr 1 Jahr auf dem Rücken gebunden. Unvorstellbar in Deutschland! Wir würden niemals unserem 4-jähringen sein Geschwisterchen ohne Erwachsenen in die Verantwortung geben. Hier – ganz normal!

Auch wenn es mir hier bei allen den Kindern und ihrem Umfeld immer wieder ums Herz ganz eng werden lässt, so frage ich mich doch, wie die Lebenswirklichkeiten meines deutschen Lebens und die Erfahrungen hier voneinander lernen und wachsen können. Wieviel können wir Kindern zutrauen und zumuten und wo hindern wir sie am erwachsen werden? Eine Frage, die mich vermutlich noch Monate begleiten wird.

Kinder, Kinder, Kinder – Leben in Uganda

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Ein Gedanke zu „Kinder, Kinder, Kinder – Leben in Uganda

  1. Ihr Lieben, was für Eindrücke und Erfahrungen…. „Lernen“ für’s Leben….. Danke, danke, danke, dass ihr uns ein wenig dran teilhaben lässt🥰.

    Und irgend wann ist jetzt, und ich werde mir dann hoffentlich von euren Abenteuern etwas „klauen“ und nachmachen dürfen.

    Erst einmal genieße ich aber eure hatnahen Berichte, Bilder und Videos👍😗.

    Alles Gute😇🙋, lG, Bettina

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