Eine Chance in unserem Sabbatical ist es, die gewohnten Routinen ganz hinter sich zu lassen und jeden Tag neu „erfinden“ zu müssen/können/dürfen: Wie gestalten wir den Tagesablauf? Was unternehmen wir? Wo übernachten wir? Wie kommen wir dort hin? Wo/was essen wir? Was dürfen wir heute nicht vergessen? Es gibt fast keine Struktur, keinen Automatismus, dem wir einfach folgen könnten.

So auch beim Geburtstag. Vielen Dank für all die lieben Nachrichten/Mails und Videoanrufe, die ich gestern – hier am anderen Ende der Welt – bekommen habe! Ich habe mich sehr gefreut!!
Ich hatte mich entschlossen den Tag in einem tollen touristischen Ort in Bahia an der Küste ganz in Ruhe nur mit Anja zu feiern. Am Tag davor (gerade noch im alten Lebensjahr) habe ich mir aber noch einen Wunsch erfüllt und ich war Raften – ich bin also im Schlauchboot einen wilden Fluss runter gefahren. Davon möchte ich euch gern erzählen:

Denn wie sollte es anders sein? Der Hinweg zu dem Rafting-Event war schon ein Abenteuer. Auf dem Weg zum Wildwasser im weiten Hinterland Bahias hat sich unser Zafira-Taxifahrer leider total verfahren. Wir sind weit ab vom Ziel über (die hier vorherrschenden) Lehmpisten gefahren, die aufgrund des Regens am Morgen sehr rutschig waren. Viele Stellen (wo ich mit einem solchen 2WD sicher schon hängen geblieben wäre) hat unser Fahrer noch meisterlich genommen und ist mit Schwung durch gedriftet. Aber dann sind wir doch stecken geblieben und haben uns immer weiter festgefahren.
Und so durfte ich ein weiteres (ungeplantes) Abenteuer im brasilianischen Hinterland erleben;-)

Unser Fahrer macht uns also (auf brasilianisch) verständlich, dass mit dem Auto „nichts mehr geht“ und wir zu Fuß weiter müssen. Es wäre wohl nicht mehr weit, nur einen Kilometer noch. Das sollte auch in der sengenden fast Mittagssonne (die ist hier aber auch wirklich ausgesprochen kräftig) machbar sein, haben wir uns gedacht und sind zu Fuße weiter gelaufen. Durch matschige Spurrillen und Bäche und durch eine wunderschöne Landschaft, wo sonst sicher kein Tourist hin kommt. Nach einer guten Stunde dann musste uns unser Fahrer eingestehen, dass er leider auch nicht genau weiß, wo wir sind und wo der Weg weiter gehen würde und es wäre wohl das Beste wieder zum Auto zurück zu laufen.
OK?! Mein Vitamin-D-Haushalt (☀️) war eigentlich schon ausreichend gedeckt. Aber was sollen wir machen, wir laufen wieder zurück durch die Sonne und die Landschaft, die Bäche und Schlammpfützen (die jetzt nicht mehr ganz so wunderschön wirken).
Unglaublich, aber um uns zu helfen, schließen sich auf dem Weg ein paar Arbeiter an, die hier leben. Sie haben zwar alle kein eigenes Fahrzeug und keine Verbindung zur Außenwelt (hier gibt es weder Handyempfang noch eine Telefonleitung), aber kräftige Muskeln und Macheten und scheinbar Ahnung, wie man mit so etwas umgeht.

Und siehe da, wenn man zusammen hilft, geht auch was voran und wir bekommen das Auto aus dem Graben. Aber leider nur für zwei Minuten, weil es sich nach dem Drehen gleich wieder festgefahren hatte. Und dieses Mal saß der Zafira so stark mit der ganzen Bodenplatte auf, dass die Räder sich ohne Bodenkontakt in der schlammigen Spurrille weiter gedreht haben.
Aber auch das wurde noch bewältigt: Im Schlamm kniend wurde mit der Machete unterm Auto die Erde abgetragen und die Spurrille mit Steinen und großen Palmblättern aufgefüllt😳. Und am Ende wollten die Helfer noch nicht mal ein kleines Trinkgeld als Dankeschön annehmen. Sie haben da ihren Stolz- unglaublich.

Wir waren auch vollkommen falsch und sind eine halbe Stunde wieder zurück gefahren. Als wir dann endlich – mit fast 4 Stunden Verspätung – in der Basis angekommen sind, erzählt mir der Chef, dass sie schon heftig nach uns gesucht haben, die Strecke mehrfach abgefahren sind und als sie uns nicht finden konnten die Polizei eingeschaltet haben mit der Befürchtung, dass wir entführt worden sein könnten. OK?!
Wir haben etwas zu essen uns zu trinken bekommen und nach einer kleinen Pause haben wir dann doch noch den geplanten Raft gemacht. Ein Erlebnis:

Es war großartig, ein klasse Arenalinkick. Super Anleitung vorab. Wildwasser Klasse 3 bis 4, aber wir haben uns hier trotzdem immer sicher gefühlt. Und der Sprung vom Felsen (10 Meter in die Tiefe!) hat mich wirklich eine ganze Menge Überwindung gekostet – was man auf dem Bild auch gut erkennen kann. (Was man nicht alles so macht, um sich kurz vor der Bestätigung, dass man wieder ein Jahr älter geworden ist, noch mal zu beweisen, was alles noch geht😁)

Apropos: Den Geburtstag selber habe ich dann mit Anja ganz ruhig und entspannt in Itacaré verbracht. Am Strand mit Caipi mit Freunden und Familie zuhause gefacetimed und mich über all die Grüße gefreut. Einen wirklich großartigen Sonnenuntergang Itacarés genossen.

Und als Höhepunkt meines Geburtstages habe ich noch bei einer Band, bei der wir zugehört haben, spontan mit gejammt: „What a wonderful world this could be“!!

Mal ganz anders – der Sprung ins neue (Lebens)Jahr

Beitragsnavigation


3 Gedanken zu „Mal ganz anders – der Sprung ins neue (Lebens)Jahr

  1. Liebe Anja, Lieber Tobias!
    Endlich finde ich heute einmal Ruhe und Muse um eure tolle Seite zu durchforsten. Ganz ganz toll! Ich gestehe, ich beneide euch um euer Sabbatical 😉
    Die Fotos sind spitzenmäßig. Die Filme sehr gelungen, die Texte sehr lesenswert. Dickes Kompliment.
    Tobias, dein Geburtsag ging auch an mir vorbei, aber du weißt hoffentlich auch so, dass ich dir nur das Allerbeste wünsche. Freue mich auf viele weitere Bilder und Geschichten. Bleibt gesund und: DANKE, dass ihr für uns so nette neue Nachbarn gefunden habt 🙂
    Liebe Grüße aus good old Bamberg
    Dani

  2. Hallo Tobias,
    auch von uns nachträglich alles Liebe und Gute zu deinem Geburtstag 🎂 🎉
    Da ihr, trotz mancher Anstrengungen und Widrigkeiten, auf den Fotos und Videos immer sehr entspannt, glücklich, freudig, bereichert (natürlich persönlich, nicht materiell 😁), zufrieden, gesund… wirkt, wissen wir gar nicht, was wir dir sonst noch wünschen könnten. Vielleicht noch, dass ihr wieder wohlbehalten in der „alten Welt“ ankommt.
    🎶 ist bei euch ja auch einiges los, da bringst du ja dann neue musikalische Impulse mit😎
    Liebe Grüße aus der Ferne
    Uwe&Sabine

  3. Lieber Tobias,
    Nachträglich noch alles Liebe und Gute zu deinem Geburtstag, verbunden mit ganz viel Glück, Gesundheit, tollen Erlebnissen und Gottes Schutz und Segen für jeden Tag im neuen Lebensjahr.
    Euch noch eine spannende, fröhliche und gute Zeit im Sabbatical und danke für die tollen Eindrücke

    Sabine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.