Nun sind wir inzwischen 10 Tage hier im Senegal und es ist unglaublich, was in dieser kurzen Zeit schon wieder alles passiert ist.

Der Grund in den Senegal zu kommen, waren ja die Chöre. Wir wollten diese tollen Gesänge hören, miterleben und sie vielleicht auch aufnehmen. Tobias und ich hatten gemeinsam mit Abbè Moise, der gerade in Priesendorf bei Bamberg lebt, ein Lied komponiert, das 4 Sprachen – Französisch, Englisch, Deutsch und Wolof (die senegalische Hauptsprache) – vereint. Mit dem Chor von St. Anna wollten wir dieses Projekt zur Stärkung der Partnerschaft ins Leben rufen. Doch das schien erst einmal gar nicht so einfach zu sein.
Unsere 1. Hürde war die Sprachbarriere. Durch Gabi, unseren Dolmetscher, bekamen wir dieses Thema größtenteils zu fassen. Da Abbé Moise bei seinem letzten Besuch hier nicht mit dem Chorleiter persönlich gesprochen hat, sondern mit der Vereinsvorstand, war die Motivation des Chorleiters zu Beginn nicht ganz so groß. Da er dazu vor unserem 1. Treffen schon einen feuchtfröhlichen Nachmittag hinter sich hatte und unser Lied nicht dem traditionellen Choral entspricht, war unsere 1. Begegnung recht interessant.
Zwei Tage später waren wir dann bei der Chorprobe dabei. Einige Sängerinnen und Sänger hatten wirklich Lust dazu und so lernten sie das Lied sehr zügig und wir machten am Freitag schon die Aufnahme und das Video dazu. So ist das hier – in 5 Tagen ist dann mal schnell alles im Kasten.

Vor fast 20 Jahren erlebten wir Jobarteh Kunda beim Erzählen von afrikanischen Geschichten, die er mit einer Kora begleitete. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir dieses wunderschöne und bezaubernde Instrument noch nicht gekannt. Gerade mal 30 km von Thiés entfernt gibt es ein Kloster, das diese einzigartigen Instrumente baut. Wir entschlossen uns dazu eine Nacht im Kloster zu verbringen und dem gregorianischen Gesang und dem Kora-Spiel der Mönche bei ihren Gebeten und Messen zu lauschen. Während des Gebetes hatte ich immer wieder Gänsehautmomente – die von der guten Sorte! Die Einfachheit in der die Mönche hier leben und Ruhe, die sie ausstrahlen hat uns tief beeindruckt. 

Und dann hatte wir noch das ganz große Glück, dass einer der Mönche und zugleich Instrumentenbauer sich eine Stunde für uns Zeit genommen hat und uns in die Welt des Koraspiel einführte. Großartig! Es wird nur mit Daumen und Zeigefinger gespielt. Die restlichen Finger halten die Kora. Obwohl ich Harfe und Klavier spiele, war das für meine Hände eine echte Spreiz- und Dehnübung, vom Gewicht der Kora auf meinen Beinen ganz zu schweigen 😳. Mit ein bisschen Übung gelingt es aber dennoch recht schnell, den Aufbau zu verstehen und Akkorde zu einem Psalm zu spielen. Dass die Saiten nicht der Reihenfolge der Tonleiter entsprechen, war ja bei einem afrikanischen Instrument fast klar 😅. Das waren wieder einmal 2 berührende Tage in einer fremden Welt. 

Abbé Osario, der Diözesanjugendseelsorger von Thiés, zeigte uns das Grundstück und die Baustelle des Maison des Jeunes, dem Jugendhaus, das hier entstehen soll. Auf einem wirklich großen Grundstück mitten in der Stadt entsteht in Zusammenarbeit mit unserer Heimatdiözese Bamberg und vor allem mit Burg Feuerstein ein Jugendhaus, in dem sowohl interreligiöser Austausch, wie auch Unterstützung bei der Ausbildung stattfinden soll. Ein großartiges Projekt, das gerade in großen Schritten den Fortschritt des Baus zeigt.

Am Samstag erlebten wir eine afrikanische Hochzeit. Der Gottesdienst war im Prinzip genau so, wie bei uns, nur dass am Ende der Bräutigam mit einigen Chormitgliedern eine heiße Tanznummer zeigte. Da nicht so viele Menschen in der Kirche waren, dachten wir, dass es sich eher um eine kleine Hochzeit handelt. Da lagen wir wieder einmal völlig falsch! Das Brautpaar feierte zu Hause im Hof. Als wir dort ankamen, trauten wir unseren Augen nicht. Es waren Hunderte von Gästen da, die alle an festlich geschmückten Tischen saßen, wild tanzten oder sich um das Essen und die Versorgung kümmerten. Da wir mit Abbé Pierre da waren, bekamen wir gleich Ehrenplätze neben dem Brautpaar zugewiesen – leider waren die genau vor 4 riesigen Boxen, die uns mit schrillem Sound umgaben. Den Nachklang spürten wir dann auch noch ein paar Stunden später 😂. 

Und nicht genug der vielen Leute. Am Sonntag waren wir dann noch bei der Kinderwallfahrt von Mont Rolland. Dieser Wallfahrtsort ist wohl bekannt für seine großen Wallfahrten. In diesem Jahr kamen unglaubliche 5000 Kinder ohne ihre Eltern aus allen Gemeinden in der Umgebung und feierten gemeinsam einen Gottesdienst.
Am Nachmittag fand dann noch ein kulturelles Programm statt, an dem die Kinder Tänze, kleine Stücke und Musik darboten. Es war ein echtes Spektakel und wir waren total geflasht. Hier waren 5000 Kinder und von Chaos keine Spur!

traditionelle Tänze am Nachmittag
Thies – Zu Gast in unserer Partnerdiözese

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