Nach der unerträglichen Hitze von Dubai waren die 29 Grad hier in Uganda sehr entspannt. Endlich Afrika – jetzt geht es dann wohl so richtig los! 

Sehr herzlich empfing uns Mark von Sosolya am Flughafen in Entebbe. Wir hatten Glück – die Pflichttests bei der Einreise in Uganda starteten erst am nächsten Tag. Im Haus eines Freundes dürften wir mit 4 Mädels aus dem Projekt wohnen. Wir waren erstaunt über das für afrikanische Verhältnisse sehr noble Haus, nahmen es jedoch sehr gerne an, fließend Wasser und eine normale Toilette zu haben.

Die Philosophie der Sosolyas rührt mich zutiefst. Die Kinder kommen teilweise aus sehr armen Verhältnissen. Durch die Polygamie, die in Uganda normal ist, haben sie oft 20 – 30 Geschwister. Wie soll das bewältigt werden? Uganda gehört immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt und Abtreibung ist hier streng verboten. Mark – der Gründer der Sosolyas gibt seit über 20 Jahren Kindern und Jugendlichen ein Zuhause und alle leben in einer großen Familie zusammen. Zur normalen Schule, in der 100 Kinder oder mehr gleichzeitig in einem Raum beschult werden, gibt er ihnen die Möglichkeit ihre Stärken herauszufinden und fördert sie mit zusätzlichem Unterricht. So bekommen sie die Möglichkeit von Unterricht im Spielen von Instrumenten, Tanzen, Ausdrucksfähigkeit oder auch Schwimmen. Sie diskutieren und lernen Themen zur Klimaveränderung. Sie lernen voneinander die Aufgaben des täglichen Lebens und es gibt jede Woche die Möglichkeit Fragen zur Gesundheit, zur Pubertät …. an eine Frau oder einen Mann zu stellen. Durch diese Aufklärungsarbeit werden die Mädchen bei Sosolya eben nicht früh schwanger und verstehen, dass Familienplanung möglich ist.

Die Sosolyas sind eine große Gemeinschaft von ca. 200 Kindern und Jugendlichen. Sie verstehen sich alle als Brüder und Schwestern im Geist und leben wie in einer riesigen Familie zusammen. Es ist sehr friedlich und alle achten aufeinander. Durch den zusätzlichen Unterricht und die Gespräche wachsen Selbstvertrauen, Wissen und das Vertrauen, dass die Stärken zu trainieren, eine Leidenschaft zu entwickeln, das ist, was sie für die Zukunft stärkt. Am Ende Woche setzen sie sich zusammen und jeder darf teilen, was ihn in dieser Woche berührt oder auch verärgert hat. Bei dem Leben und dem Miteinander, das ich hier sehe, geht mir als Montessoripädagogin das Herz auf.

Gestern waren wir allerdings bei einer Veranstaltung des Goethe Instituts und mussten durch Kampala City fahren. Was ich hier erlebte, schockte mich zutiefst. Sehr viele bettelnde Menschen, ein Verkehrschaos, wie es in Deutschland undenkbar wäre. Es gibt zwar Spuren, aber wenn sie voll sind, dann nehmen Motorräder und Kleinbusse auch schon mal den Gehweg oder die entgegenkommende Fahrbahn. Überall dazwischen wuselt es auf der Straße von Menschen und auch kleinen Kindern, die Waren zum Verkauf direkt am Auto anbieten. Alle Schulen in Uganda sind wegen Corona schon seit 1,5 Jahren mit einer Unterbrechung geschlossen. Wie können die Menschen hier leben? Welche Perspektiven haben die Kinder? Gibt es eine echte Möglichkeit Bildung zu erlangen, um das Leben für sich und seine Familie zu verändern?

Ab heute Nachmittag starten Tobias und ich mit den „German Lessons“ und bringen den Jugendlichen die deutsche Sprache und Kultur näher. Die Jugendlichen, mit denen wir zusammen sind, dürfen im nächsten Frühjahr im Rahmen der KinderKulturKarawane nach Deutschland reisen und zeigen dort an Schulen ihre Tänze und erzählen von ihrer Kultur. Wir hoffen, dass wir ihnen einiges dafür mitgeben können. 

Uganda – Die ersten Tage in Afrika

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2 Gedanken zu „Uganda – Die ersten Tage in Afrika

  1. Hallo Tobias, hallo Anja,
    ihr seid tatsächlich bei eurem ersten Projekt angekommen. Das liest sich alles sehr spannend- aber ganz anders als Dubai und Malta. Jetzt kommt das ,was ihr eigentlich wolltet- der Kontakt zu den Menschen und das Mitleben, Mit- erleben und Mit-arbieten. Ich finde das nach wie vor großartig und toll, dass ihr uns teilhaben lasst. Viel Freude weiterhin, bleibt gesund und genießt dieses Jahr!
    Liebe Grüße Verena

  2. Liebe Anja, lieber Tobias, es ist so schön und spannend, eure verschiedensten Geschichten zu lesen und so ein Stück weit mit euch unterwegs zu sein. Ich freue mich über jeden neuen Post von euch. Liebe Grüße aus der Rhön. Christine

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