23.11.21 – Gerade mal eine Woche zuvor erreicht uns eine Mail von Dagmar Noll vom ZDF. Sie arbeitet zurzeit an einem Beitrag zum Thema „Sabbatical und Auszeit“. Es soll für „Volle Kanne – Service täglich“ ein Top-Thema werden. Das heißt, sie haben einen kleinen Film von etwa zweieinhalb Minuten und danach einen Expert*innentalk zum Thema.
Bei der Recherche ist sie auf unser Projekt gestoßen und hat uns gefragt, ob sie uns in diesem Beitrag ein wenig vorstellen könnten und ob wir dazu vielleicht ein Skype-Interview führen könnten. „Geht das überhaupt in Uganda? Habt ihr Interesse?“
Klar haben wir Interesse:-) Und für den 23.11., an dem das Interview per Skype stattfinden sollte, hatten wir ein tolles Programm: Wir sind mit Mark und den Sosolyas tief in die Rwenzori-Berge aufgebrochen und haben dort, fast schon im Kongo Bäume gepflanzt und noch ordentlich Abenteuer erlebt. Mehr dazu in Anja Beitrag „nichts ist unmöglich“

Also hatten wir uns um 17:00 Uhr auf dem Berg „out of nowhere“ einen Ort mit schöner Aussicht gesucht und die Internetverbindung gecheckt. Diese war tatsächlich – wie versprochen – hervorragend, so weit oben;-)
Um uns hatte sich eine Gruppe Einheimische versammelt, die mehr als neugierig waren, was wir da wohl vorhätten. Hier hatten die meisten der Kinder zuvor noch nie einen „Mzungu“ (also einen „weißen Menschen“) live gesehen, geschweige denn zwei Mzungus, die in einen Laptop schauen, sich selber dabei sehen und mit einer dritten weißen Person sprechen. Wir sind schon wundersame Wesen😁😎.

Alles hat hervorragend geklappt und wir hatten ein tolles und sehr interessantes Gespräch mit Dagmar Noll, das man gerne (wahrscheinlich am 27.12.) im ZDF sehen kann.

Und weil uns echt gute Fragen gestellt wurden, möchte ich euch an unseren Ideen dazu gerne schon mal teilhaben lassen:

Was muss man machen muss, wenn man z.B. noch arbeitet und gerne ein Sabbatical machen würde? 
Wir haben auch nur lange davon geträumt. Der erste Schritt war, einfach beim Chef dem Sabbatical-Antrag einzureichen, auch wenn man noch nicht weiß, was man genau machen will. Das hat sich bei uns noch viele mal geändert;-) (mehr dazu hier)

Wann entstand der Wunsch nach einem Sabbatical bei euch? Was hat ihn ausgelöst? 
Das Reisen – mehr von der Welt und von andern Menschen kennenzulernen – ist schon immer etwas sehr Wichtiges in unserem gemeinsamen Leben – wichtiger z.B. als ein großes Haus oder ein großes Auto. Wir haben auch überlegt mal im Ausland zu arbeiten.
Aufgrund der aktuellen beruflichen bzw. familiären Situation gab es aber immer Argumente, warum das gerade nicht geht bzw. wir das nicht wollten. Es hat sicher etwas mit persönlicher Priöritätensetztung zu tun.

Habt ihr ihn geradlinig verfolgt, oder auch mal als Spinnerei abgetan? 
Anja musste erst ihre Position als stellvertretende Schulleitung aufgeben, damit es bei ihr möglich wurde. Dafür gab es bei ihr als Beamtin die Rahmenbedingungen für ein Sabbatical schon.
Bei meinem Arbeitgeber hatte ich mit meinem Antrag erst mal die Beschäftigung mit dem Thema ausgelöst. Nach zwei Jahren wurde dann die Möglichkeit eines Lebensarbeitszeitkontos eingerichtet, das mir auch ein Sabbatical ermöglich hat. Jetzt bin ich der erste von über 10.000 Mitarbeitern, der hier ein Sabbatical macht:-) 
Wir sind beide unseren Arbeitgebern und Chefs sehr dankbar, dass Sie unseren Antrag unterstützt haben. Auch wenn des dem Arbeitgeber kein zusätzliches Geld kostet, bedeutet es doch eine Menge Aufwand, jeweils eine Vertretung für ein Jahr zu organisieren.

Was war eure größte Herausforderung bei der Umsetzung?
Eine große Herausforderung war den passenden „Inhalt“ für das Jahr zu finden. Ein Jahr „nur um die Welt Reisen“ wollten wir nicht.
Eine Frage ist auch, ob wie weit man die Nähe – ein Jahr lang Tag und Nacht ganz eng miteinander unterwegs zu sein – aushält. Wir kommen als Paar auch sehr gut miteinander zurecht und können uns gegenseitig bereichern.
Ein weitere wichtige Voraussetzung war sicher, dass unsere Kinder zu dem Zeitpunkt auch so weit waren, dass Sie finanziell und emotional genügend unabhängig von uns waren und sich mit uns freuen, dass wir ein Sabbatical machen. Und dass unsere Eltern aktuell nicht pflegebedürftig sind!

Was empfindet ihr als das größte Geschenk? 
Ein Jahr lang ohne Zeit- und Leistungsdruck zu sein und dabei in fremde Welten eintauchen zu dürfen – was nur mit entsprechend Zeit möglich ist – und tolle Menschen kennenlernen zu dürfen.

Wie ist es, in Coronazeiten solch ein Projekt auf die Beine zu stellen? Habt ihr manchmal auch Angst vor der eigenen Courage? 
Ja, Corona war ein großer Schock – auch für unsere Planungen. Niemand konnte sagen, wie die Lage in einigen Monaten sein würde. Keinen Plan konnte man zuverlässig konkretisieren.
Die Angst, im Ausland Corona zu bekommen und nicht das Niveau an medizinischer Versorgung bekommen zu können, ist auch durchaus vorhanden. Zwischenzeitlich war ich auch am Überlegen, ob wir versuchen sollten das Sabbatical irgendwie um ein Jahr zu verschieben.

Aber ich kann aktuell sagen, unsere Entscheidung, das Jahr wie geplant zu machen, fühlt sich gerade genau richtig an. Aber es braucht schon eine Menge Mut und Gottvertrauen!
Und zugegebenermaßen fällt es mir gar nicht so leicht zu berichten, wie gut wir es hier aktuell haben, wenn wir die Nachrichten aus Deutschland mitbekommen.

Warum macht ihr Challenges? 
Die Challenges sind eine Idee von Meike Winnemuth. Bei ihr haben wir die Idee in ihrem Buch „Das große Los“ gelesen. Ich fand es klasse, so in Kontakt zu Menschen zuhause zu sein, die uns eine Challenge geben, und z.B. mit Menschen in anderen Ländern in Kontakt zu kommen, wenn wir die Challenges einlösen.

Warum macht ihr soziale Projekte, warum nicht eine andere Form der Auszeit?
Wir sind zugegebener Maßen schon viel gereist und haben so machen schönen Ort gesehen und fotografiert. Was uns aber wirklich in Erinnerung geblieben ist, sind die Begegnung mit Menschen. Andere Lebensweisen – trotz einfacher Lebensumstände glücklich zu sein, haben mich schon immer sehr fasziniert. 
Ich glaube, dass es viel einfacher ist den Menschen auf Augenhöhe, nicht als Tourist und Dienstleister, näher zu kommen, wenn man gemeinsam an etwas arbeitet und längere Zeit gemeinsam verbringt. 

Als wir uns dann konkreter umgeschaut haben, haben sich plötzlich einige tolle Projekte aus unserem näheren Umfeld, die in Verbindung zu unserer Heimatstadt Bamberg stehen aufgetan. Als wir Kontakt aufgenommen haben und gesagt haben, dass wir gerne unsere Zeit und Energie einbringen würden, war da jeweils eine ganz große Offenheit da. Und für mich ist es einfach auch wichtig, das Gefühl zu haben mit meiner Zeit etwas wirklich Sinnvolles anzufangen – nicht nur für mich auch für andere.

Und das scheint bei den Projekten sehr gut zusammen zu gehen!

„Unterwegs sein“ – Das ZDF interviewt uns zu den Erfahrungen mit unserem Sabbatical

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3 Gedanken zu „„Unterwegs sein“ – Das ZDF interviewt uns zu den Erfahrungen mit unserem Sabbatical

  1. Sooo genial, hab mir gestern euren Beitrag im ZDF angeschaut….und was soll ich sagen… voll die Medien Stars 🤩🎬… Danke für eure tollen Reise-und Erfahrungsberichte, ich feier jeden Beitrag 😍
    Shine on🌞

  2. 👍🥰😇🥰👍
    Ich kann nur wiederholen, ihr lebt meinen Traum……

    Ich freue mich bei jedem Post/Kommentar/ Film mehr mit euch und für euch😁.

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