Zum Abschluss unserer Zeit in der Paradise School in Tansania waren wir noch mit Christian im Rubondo Island Nationalpark. Der Park liegt im Nordwesten des Viktoriasees.

Schon 1965 wurde der Park auf Betreiben von Prof. Grzimek zu einem Wildreservat erklärt. Seitdem konnte sich die Vegetation und die Tierwelt auf den Inseln ungestört entwickeln und der Park bietet wirklich eine tolle Naturkulisse. Viel wilde Tiere konnten wir dadurch leider nicht beobachten, da schon direkt rechts und links von den Wegen dichter Regenwald jede Sicht unmöglich macht. Unser Highlight im National Park war eine Bootsfahrt zu einer kleinen Insel voller Vögel und Krokodile.
Hier ein kleiner iMovie-Trailer-Eindruck:

Für mich persönlich aber war die bewegendste Erfahrung die Tatsache, dass der Nationalpark nur ca. 20 km entfernt liegt von der Insel, auf der unser Gastgeber Christian als Sohn von zwei einfachen Fischern vor 25 Jahren geboren wurde. Zu sehen, wie einfach und ursprünglich die Menschen hier – mitten See – leben, hat mich zum Nachdenken gebracht.
Insbesondere das Gedankenspiel, was wohl wäre, wenn Christians Vater Bartholomeo – ein ehemals einfacher Fischer (der bei der gefährlichen Tätigkeit nachts auf dem See dreimal fast ums Leben gekommen wäre) – sich nicht auf den „Weg“ gemacht hätte.
Er hat angefangen die Fische selber in der nächst größeren Stadt zu verkaufen. Von dem deutlich besseren Erlös hat er Autos und weitere Boote gekauft. Später ist er aufs Festland gezogen, hat dort ein Haus gebaut und wurde zum Bürgermeister der Gemeinde gewählt.
Heute ist er Vorsitzender des ganzen Landkreises Chato, hat die „Paradise School“ gegründet, hat eine Farm mit 100 Rindern, Gästehäuser, baut eine Tankstelle und vieles mehr. Eine unglaubliche Karriere – insbesondere für einen Mann, der nur eine „Primary School“ besucht hat und keine Fremdsprache spricht!!!

Wir durften seinen Sohn Christian kennenlernen, der als Weltfreiwilliger für 16 Monate in Deutschland in Kronach war, der Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaft studiert hat, der jetzt mit seiner Mutter Manager der „Paradies School“ ist (2017 die beste Schule Tansanias!) und auf den man sich in allen Dingen voll verlassen kann (was in Afrika nicht immer selbstverständlich ist;-). 

Mein Gedankenspiel: Was wäre wohl aus Christian geworden, der auf der Fischerinsel geboren ist, wenn sein Vater nicht die Insel verlassen hätte und sich mit unermüdlicher Energie um Familie und seine Gemeinde gekümmert hätte?!
Ich bin sehr dankbar, dass ich in den letzten knapp zwei Wochen einen so tiefen und offenen Einblick in das Leben seiner Familie haben konnte und wir die große Gastfreundschaft genießen konnten.

„Zukunft als Fischer?“ – Rubondo Island National Park

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